Dienstag, 23. Januar 2007

Email des deutschen Aupairs in Nizza

Dies ist die Email des deutschen Aupairs, das gerade noch bei der Gastfamilie arbeitet, die mich am Freitag angerufen hat:

Hi Marie,
zunächst will ich dir sagen, dass du alle Fragen, die du hast, jederzeit stellen kannst, und wenn sie noch so doof klingen mögen. Ich weiß schließlich ganz genau, wie aufgeregt und neugierig man in deiner Situation ist, hab's ja auch erlebt.
Was das Telefonat angeht, so kann ich dir sagen, dass ich mich da auch nicht grade mit Ruhm bekleckert habe und sie hat mich trotzdem genommen. Man ist eben aufgeregt, das weiß Sabrina (so heisst die Gastmutter) auch. Es ist ja auch nicht die Muttersprache. Also mach dir da mal keine Sorgen.
Und um dich auch noch weiter zu beruhigen: wir waren am Donnerstag in der AuPair-Agentur, wo Sabrina sich drei Bewerbungen mitgenommen hat. Deine hat sie aber am meisten überzeugt, an den anderen hatte sie was auszusetzten. Und du bist auch die einzige, die wir angerufen haben. Ich glaube schon, dass du sehr gute Chancen hast, aber am besten fragst du noch mal selbst... Was Sabrina eben wichtig ist, sie muss sich voll und ganz auf dich verlassen können, vor allem, wenn sie arbeitet und du mit den Kindern allein zu Hause bist. Dir muss klar sein, dass sie wirklich auf dem Dorf wohnen und noch dazu auf nem Berg, also abgelegen. Wenn du gern in die Disko gehst, hast du hier ein Problem, denn die letzten Busse fahren in der Woche gegen 20 Uhr, am Wochenende gegen 18.30 Uhr.
(^^ ich glaueb nicht wirklich, dass ich damit ein Problem habe).
Sie möchte auch nicht, dass du Leute zu dir nach Hause einlädst. Zum Bus musst du etwa ne halbe Stunde laufen, und die Wege sind steil. Wenn dir das alles nichts ausmacht, hast du gute Chancen.
Am besten schildere ich dir mal mein Leben hier. Ich stehe gegen 6 Uhr auf und wecke die Kinder. Für Adam (4Jahre) mach ich Fläschen fertig, für Lina (7Jahre) das Frühstück und Nora (13) macht sich selbst fertig. Ich ziehe die Kinder an, pass auf, dass sie sich die Zähne putzen und frisiere Lina. Wenn Sabrina arbeitet, geht sie um 6 Uhr aus dem Haus und kommt um 7.30 Uhr wieder, um die Kinder zur Schule zu bringen. Wenn sie nicht arbeitet, fahre ich oft mit, wenn sie die Kinder wegbringt. Danach mache ich Haushalt: Tisch abräumen, Geschirrspüler ein- und ausräumen, Betten machen, überall ein bisschen aufräumen, staubsaugen. Wenn es sehr dreckig ist, nehm ich auch mal den Feudel zur Hand. Insgesamt bist du für die Spielzimmer zuständig und fürs Bad, aber ich guck auch sonst ein bisschen, wo ich helfen kann. Außerdem bist du für die Wäsche der Kinder verantwortlich: waschen, bügeln, wegräumen. Im Allgemeinen kannst du dir aber einteilen, wann am Tag du was machen willst. Und du hast auch auf jeden Fall genug Freizeit und Zeit für die Schule.
Was die Schule angeht, gibt es in Nizza zwei für AuPairs, da kannst du dann gucken, welche dir besser gefällt.
Gegen 17.30 Uhr kommen dann die Kinder von der Schule. Oft fahre ich aber auch mit, um sie abzuholen. Ich mache mit ihnen Hausaufgaben, bade sie, koche für sie und bringe sie ins Bett, mit Gutenachtgeschichte. Danach mache ich dann noch die Hausufgaben mit Nora. Jeden Mittwoch haben die beiden Kleinen frei, d.h. man muss sich den ganzen Tag um sie kümmern. Am Wochenende muss ich im Allgemeinen einen halben Tag arbeiten, aber da die Kinder jedes zweite Wochenende beim Vater sind, hab ich die dann natürlich komplett frei.
Außerdem gibt es jeden zweiten Sonntag einen AuPair-Club, in dem sich die AuPairs, die Lust haben treffen und etwas unternehmen.
Die Familie heißt ürigens Cantoni-Bachkiri, bzw. die Kinder heißen Bachkiri, die Mutter jetzt wieder Cantoni.
So, jetzt kennst du ein bisschen vom Leben hier. Wenn dir das alles gefällt, dann frag ich Sabrina noch mal, ob sie dich nimmt, denn dann kann sie sicher sein, dass du auf das, was dich erwartet, vorbereitet bist. Ihr ist nämlich klar, dass viele Mädchen nicht so abgelegen leben möchten.
Wenn du noch Fragen hast, dann frag jederzeit.
Liebe Grüße aus Drap,
Lena

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